• Prof. Dr. Urban Laffer

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  • Skalpell-Blog

    Im Skalpell-Blog möchte ich gesundheitspolitische Themen aufgreifen und kommentieren. Das Gesundheits- wesen befindet sich in grossem Wandel - ich möchte mit diesem Weblog die Stimme der Chirurgen und invasiv tätigen Ärztinnen und Ärzte der Schweiz (fmCh) vertreten. Lesen und diskutieren Sie mit mir - ich freue mich auf einen regen Austausch.
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6‘000 Ärzte ziehen den Bundesrat vor Gericht

Mit dem verordneten Tarifeingriff hat sich der Bundesrat gegen besseres Wissen über geltendes Recht hinweggesetzt. Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) schreibt vor, dass der Arzttarif TARMED sachgerecht, das heisst auf der Grundlage von reellen Kostendaten, angepasst werden muss. Diese Anpassungen regelmässig durchzuführen, ist Aufgabe der Tarifpartner. Kommen die Tarifpartner ihrer Aufgabe nicht nach, kann der Bundesrat eingreifen, um die Sachgerechtigkeit des Tarifs wiederherzustellen.

Diese Kompetenz hat der Bundesrat missbraucht, um sein politisches Ziel zu erreichen, das Einkommen der Spezialistinnen und Spezialisten unter den Fachärzten zu senken. Dadurch wurden in willkürlich ausgewählten Kapiteln des TARMED Kürzungen der Tarifpositionen in der Höhe von 8,5 Prozent vorgenommen. Keine einzige dieser Kürzungen dient der Sachgerechtigkeit des Tarifs. Damit werden aber die Anforderungen des KVG auf offensichtliche und grobe Weise verletzt. Der Bundesrat versucht in totalitärer Manier diese Einkommenssenkung mittels Verordnung durchzusetzen. Die fmCh fordert, dass auch Spezialistinnen und Spezialisten einen Zugang zu einem unabhängigen Gericht erhalten und nicht Spielball der Politik sind. Der Beruf als Arzt und Ärztin muss attraktiv sein, damit die besten Studentinnen und Studenten diesen Beruf ergreifen wollen. Das erreichen wir nicht, wenn keine Rechtssicherheit mehr besteht.

Aus diesen Gründen hat die fmCh eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Mit dieser Beschwerde will die fmCh eine korrekte Vergütung der Hausärztinnen und Hausärzte in keiner Weise verhindern, ganz im Gegenteil. Die fmCh setzt sich seit Jahren nachweislich dafür ein, dass im Rahmen einer gesetzeskonformen Gesamtrevision des TARMED die Leistungen der ärztlichen Grundversorgung korrekt abgebildet werden. Es müssen jetzt rechtsstaatliche Verhältnisse wiederhergestellt werden, damit dieses wichtige Ziel endlich erreicht werden kann.

Prof. Dr. Urban Laffer
Präsident fmCh

Masseneinwanderungsinitiative knapp angenommen – warum, wieso und wie weiter?

Das Schweizer Stimmvolk hat am 9. Februar 2014 die „Masseneinwanderungsinitiative“ mit einem knappen Mehr von 50,3 Prozent der Stimmen angenommen. So knapp der Entscheid auch ausfiel – die Differenz betrug nur gerade 19‘526 Stimmen —, so wenig wird dessen Legitimität infrage gestellt. Einen Mehrheitsentscheid diskussionslos zu akzeptieren ist ein fester Bestandteil des schweizerischen Demokratieverständnisses.

Welche Gründe führten zur Annahme der Initiative?

Rationale Gründe sprachen überwiegend gegen die Initiative. Die mit sachlichen Argumenten geführte Kampagne der Initiativgegner, darunter alle Parteien (ausser SVP), die Wirtschaftsverbände und die Gewerkschaften, machte deutlich, dass die Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften einen wesentlichen Beitrag am Wohlstand der Schweiz geleistet hat.

Wahrscheinlich haben die Ja-Stimmenden ein Zeichen für die Selbst- und gegen die Fremdbestimmung setzen wollen. Das Steuerabkommen der Schweiz mit den USA (FATCA) und auch die Demagogie jenes Bundesdeutschen Ministers, der die Kavallerie in die Schweiz entsenden wollte steckt noch tief in den Knochen. Das Abkommen hat faktisch das Bankkundengeheimnis ausgehebelt und wurden von manchen als „Kolonialvertrag“ beschimpft. Weiter nehmen viele Schweizer die Europäische Union – nicht Europa! – als mehr oder weniger sanftes Bürokratiemonster wahr, das den Bürgern zu wenig Mitbestimmungsmöglichkeiten einräumt.

Das Abstimmungsresultat wird auch das Gesundheitswesen betreffen, denn ohne deutsche und französische Fachärzte funktioniert in der Schweiz kaum noch ein Spital. Der fmCh steht möglicherweise eine neue Herausforderung bevor, wenn sie sich für die Erhaltung eines qualitativ hochstehenden spezialärztlichen Behandlungsangebotes einsetzen muss. Eine solche Herausforderung würde die Bedeutung der fmCh aufwerten. Dies wäre eine positive Konsequenz aus dem Abstimmungssonntag vom 9. Februar 2014. Allerdings auch die einzige bisher erkennbare.

Prof. Dr. Urban Laffer
Präsident fmCh

Die „armen“ Grundversorger – die „reichen“ Spezialisten?

Mit dem Rückzug ihrer „Hausarztinitiative“ haben die Grundversorger auf dem Altar der politischen Bühne die Tarifautonomie der Ärzteschaft in die politischen Hände des Bundesrates gegeben.
Sie haben der goldenen Gans in der Höhe von 200 Millionen Franken, die ihnen Berset dafür versprochen hat, nicht widerstehen können. Die Gans soll jetzt geschlachtet werden und selbstverständlich ist es für Berset ganz klar – auf Kosten der so viel zu viel verdienenden Spezialisten. Dass er sich dabei auf die sogenannte „Einkommens-Studie“ bezieht, die mit Tarmed überhaupt nichts zu tun hat, sei nur nebenbei erwähnt. Selbstverständlich wird sich die fmCh mit allen Mitteln der Demokratie und des Rechtsstaats gegen eine derart geplante Umverteilung zur Wehr setzen.

In diesem Zusammenhang stelle ich mir immer wieder die Frage, ob eine finanzielle Besserstellung der Grundversorger oder auch ihre «Arterhaltung» in der Bundesverfassung (Gegenvorschlag des Parlamentes zur Hausarztinitiative) wirklich das „Gelbe vom Ei“ ist. Ob das die Attraktivität dieses Jobs, wenn überhaupt, auch nur marginal verbessern wird?

Das Problem ist doch, dass es den Grundversorgern in den letzten Jahren gelungen ist, die Attraktivität ihres an und für sich doch tollen Berufes nachhaltig abzubauen, dass es den Nachwuchs nicht mehr gibt, der bereit ist mehr als 50 Stunden pro Woche zu arbeiten und für ihre Patienten da zu sein, und dass die Mehrheit der Ärztinnen aus verständlichen Gründen nicht in der Lage ist, ein solches Vollpensum zu bewältigen. Die Frage sei erlaubt, ob es nicht sinnvoller und wirksamer wäre, mit dem Jammern aufzuhören und dafür den Beruf des Grundversorgers wieder attraktiver darzustellen und zu gestalten.

Hier wird auf höchster Ebene ein politisches „G’schtürm“ zelebriert, das höchstens einen kosmetischen Effekt hat, aber sonst zur Attraktivitätssteigerung des Grundversorgers nichts beiträgt.

Prof. Dr. Urban Laffer
Präsident fmCh

Das Märchen von der Tarmed-Umverteilung – oder wie Berset und die Grundversorger das sehen!

Es war einmal eine Familie mit zwei mehr oder weniger gleichaltrigen Jugendlichen. Immer streiten sich die zwei um den Kuchen. Nach eingehendsten und langwierigen Abklärungen wird mit  entsprechendem Pomp und viel Gloria ein neues, überdachtes, adäquates, transparentes und vollkommen gerechtes Kuchenverteilungssystem eingeführt: Jeder bekommt ein Kuchenstück genau der gleichen Grösse. Dieser Verteilungsmodus wurde nämlich schon jahrelang vom Kind A gefordert, entsprechend war das Kind A nach der Einführung überaus zufrieden. Wohl war dem Kinde A bewusst, dass sein Bruder B, neben der auf die beiden genau gleichmässig verteilten Verpflichtung zur Hilfe im Haushalt, zusätzlich noch den Rasen mäht und im Herbst das Laub zusammenwischt, wofür er noch ein Taschengeldzustupf erhält. Das war schon immer so.

Einige Jahre später musste die Familie stärker sparen und kaufte nun bloss kleinere Kuchen. Die Stücke, welche auf die beiden Brüder verteilt wurden, blieben jedoch weiterhin, gerechterweise, gleich gross. Auch das zusätzliche Taschengeld für das Rasenmähen und Laubwischen beim Bruder B – Bruder A war das eher egal – musste zu seinem Leidwesen reduziert werden. Nun fand Bruder A, das sein Kuchenstück kleiner ist als zu Beginn der neuen Regelung und verlangte ultimativ, sein Kuchenstück müsste wieder grösser werden. Die Eltern wollten aber keinen grösseren Kuchen kaufen. Da drohte Kind A, einen grossen Aufstand zu machen, wenn der Kuchen nicht umgehend wieder grösser werde. Sollte es nicht machbar sein, dann wollte es einfach ein zusätzliches Teil vom Kuchenstück des Bruders. Dem Vater wurde es bald zu viel, er wollte seine Ruhe haben und entschied deshalb, wenn das Kind A endlich Ruhe gibt, bekommt es noch 1/3 vom Kuchen des Bruders B.

(von einem Kollegen, der anonym bleiben möchte)

Prof. Dr. Urban Laffer

Präsident fmCh

Einkommensstudie

Die letzte Einkommensstudie der FMH hat einige interessante Ergebnisse geliefert. So konnte zum Beispiel nachgewiesen werden, dass es zwischen den in der Praxis generierten Einkommen von Allgemeinmedizinern, Chirurgen, Orthopäden, Kinderchirurgen, Kieferchirurgen, Herzchirurgen und Anästhesisten keine signifikanten Unterschiede gibt. Mit anderen Worten: Die Einkommensunterschiede zwischen Hausärzten und Spezialisten haben mit dem Tarmed herzlich wenig zu tun. Die vorletzte Einkommensstudie der FMH konnte zum ersten Mal empirisch nachweisen, dass diese Einkommensunterschiede vor allem durch Honorare für die Behandlung von privat versicherten Patienten zustande kommen.

Leider lassen sich unsere Gesundheitspolitiker von solchen Fakten nicht beirren. So fordern sie nach wie vor eine Umverteilung von 200 Millionen Franken zugunsten der Hausärzte und zulasten der Spezialärzte innerhalb des Tarmed.

Die Publikation der Einkommensstudien hat der Ärzteschaft keine Vorteile gebracht. Die mustergültige Transparenz wurde nie honoriert. Es ist deshalb kein Unglück, dass das Bundesamt für Sozialversicherungen die Durchführung weiterer Einkommensstudien untersagt hat. Auch methodische Probleme, die auch in den letzten Einkommensstudien der FMH nicht ausgemerzt werden konnten, machen den Verzicht auf weitere Einkommensstudien erträglich. Schliesslich darf festgehalten werden, dass auch staatliche subventionierte Berufsgruppen auf Einkommensstudien verzichten, ohne dass ihnen daraus ein besonderer Nachteil entstünde.

Prof. Dr. Urban Laffer

Präsident fmCh

Ärzte und ihr Einkommen

Da hat doch das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) mit einer einleuchtenden Begründung verboten, dass die von der FMH jährliche publizierte Statistik der Ärzteeinkommen weiter veröffentlicht wird, weil das schon immer nicht statthaft war. Schon stimmen unsere Parlamentarier und vor allem unsere Kolleginnen und Kollegen (Gutzwiler, Cassis und Gilli) in den Chor all jener ein, die sich über dieses Verbot  empören. Es sind übrigens die Gleichen, die sich für das unsinnige Managed Care-Gesetz eingesetzt hatten – und vom Volk in einer denkwürdigen Abstimmung zur Vernunft gebracht werden mussten. Ob  Frau Dr. Gilli bei der FMH wie seinerzeit schon einen Aufruf zum „zivilen Ungehorsam“ starten wird, bleibt abzuwarten. Ich persönlich finde den Entscheid des BSV einen guten Entscheid. Nicht weil ich und die fmCh uns gegen die Veröffentlichung der Einkommensdaten etwa zur Wehr gesetzt hätten, sondern weil diese Zahlen immer ein unfaires Bild, fern jeder Realität widerspiegelt haben. Wenn schon so sensible Daten veröffentlicht werden, dann müssen sie fair, korrekt und unanfechtbar sein. Das waren sie aber bisher nicht!

Ein paar Beispiele gefällig? Keine Rücksichtnahme auf die Teilzeitbeschäftigung, keine Berücksichtigung des Arbeitsaufwandes (Arbeitszeit, Notfall- und andere Dienste), keine Berücksichtigung des Berufsrisikos in den verschiedenen Fachbereichen, keine Berücksichtigung von Nebeneinkünften aus nichtärztlicher Tätigkeit und andere mehr.

Zudem wurde nicht zwischen Einkünften aus dem Grund- und dem Zusatzversicherungsbereich unterschieden. Was nämlich Ärztinnen und Ärzte im stationären Zusatzversicherungsbereich verdienen, kann nicht im Interesse der Öffentlichkeit liegen, denn diese Einnahmen werden durch jede und jeden Einzelnen finanziert, der sich eine Zusatzversicherung leistet. Diese Einnahmen beeinflussen die Prämien der Grundversicherung nicht – wenn schon wirken sie eher entlastend.

Zum Schluss sei die Frage erlaubt, warum eigentlich nur die Ärzteeinkommen von öffentlichem Interesse sein sollen? Wie ist das eigentlich bei allen anderen Erwerbstätigen, die ich mit Steuern und Prämien mitfinanziere?

Prof. Dr. Urban Laffer

Präsident fmCh

Neue Wege in der ambulanten Medizin

Ab 2014 soll es auch für die ambulante Medizin eine Zusatzversicherung geben. Endlich, ist man geneigt zu sagen. Die Innovation schätze ich sehr positiv ein. Hintergrund der Lancierung ist der ungebrochene Trend hin zur ambulanten Medizin. Zum Beispiel dauerte die Hospitalisation wegen einer Gallenblase 1995 noch zehn Tage, heute sind es in Biel zwei bis drei Tage und in Zukunft wird man die Operation wohl auch ambulant durchführen. Die Behandlungsmethoden haben sich massiv verbessert. Sie sind weniger invasiv und viel schonender für Patientinnen oder Patienten. So positiv das für die Patientinnen und Patienten ist, für die Spitäler ist der Trend eine Herausforderung.

Heute sind im ambulanten Bereich Mehrleistungen nicht möglich. Die ambulante Medizin ist allein durch die Grundversicherung abgedeckt. Das gilt zum Beispiel für die freie Arztwahl im Spital bei einer ambulanten Behandlung. Auf diese ganz wesentliche Mehrleistung besteht heute kein Anspruch. Erst mit einer privaten Versicherung, wie sie nun neu auf den Markt kommt, ist die freie Wahl des Facharztes auch bei der ambulanten Behandlung garantiert. Eines ist jedoch klar: Grundversicherte werden deswegen nicht schlechter operiert. Sie verzichten bloss auf Zusatzoptionen betreffend Facharztwahl oder Komfortleistungen.

Um den Komfortbedürfnissen der Privatpatientinnen und -patienten gerecht zu werden, müssen die Infrastrukturen und Angebote angepasst werden, das gilt beispielsweise für Lounges mit Verpflegung und drahtlosem Internetanschluss. Aber auch die Ärztinnen und Ärzte müssen sich anpassen. Von ihnen wird mehr Flexibilität verlangt sein. Wenn ein Privatpatient eine Behandlung am Samstagmorgen oder abends um sechs Uhr wünscht, dann verlangt das nach einer flexiblen Reaktion.

Die private Versicherung für ambulante Behandlungen ist aus meiner Sicht eine Marktlücke. Man hätte diese Lücke eigentlich schon lange schliessen müssen. Ich bin überzeugt, dass dieses neue Versicherungsangebot der grössten Krankenversicherung in der Schweiz einem Kundenbedürfnis entspricht und darum erfolgreich sein wird. Erfreulich finde ich zudem, dass andere Krankenversicherungen nun unter Zugzwang kommen und bald ähnliche Versicherungen anbieten. Das zeigt, dass der Wettbewerb unter den Krankenversicherern allen Unkenrufen zum Trotz funktioniert und dass der Wettbewerb nützliche Innovationen hervorbringt.

Prof. Dr. Urban Laffer

Präsident fmCh

Persönlicher Szenenwechsel…..

Am 31.12.2012 ist meine 40-jährige Tätigkeit als Chirurg und meine 18-jährige Funktion als Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Spitalzentrum Biel zu Ende gegangen. Ich habe das Skalpell definitiv zur Seite gelegt. Am 1.1.13 hat mein Nachfolger als Chefarzt der Chirurgischen Klinik,
PD Dr. Carsten Viehl, sein Amt angetreten. Ich bin überzeugt, dass er – zusammen mit dem bestehenden, motivierten und kompetenten Kader – mit neuen Ideen und Innovationen „meine“ Klinik in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft führen wird.

Am 1.1.13 hat für mich ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Ich werde jetzt noch ein paar Jährchen als vollamtlicher Medizinischer Leiter (= ärztlicher Direktor) und Stellvertreter des Vorsitzenden der Geschäftsleitung am Spitalzentrum Biel funktionieren. Eine Aufgabe, die ich bereits viele Jahre im  „Nebenamt“ erfüllt und immer bedauert habe, dass mir nicht mehr Zeit dafür zur Verfügung stand. Ich freue mich auf diese Tätigkeit.

Zudem bin ich am 7. Dezember 2012 für eine weitere Amtsperiode – die dritte seit 2004 – als Präsident der fmCh wiedergewählt worden. Ich freue mich darauf, auch für diese Aufgabe in Zukunft mehr Zeit investieren zu können.

Im Augenblick bin ich für den ganzen Monat Januar von der Bildfläche verschwunden. Ich habe diesen Schritt nicht nur getan, um Ferien zu machen und mich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten, sondern auch um meinem Nachfolger einen unbelasteten Start als Chefarzt der Chirurgischen Klinik zu ermöglichen, da ich ja ab Februar indirekt wieder sein Chef sein werde.

Prof. Dr. Urban Laffer

Präsident fmCh

Umgang mit Fehlern in der Chirurgie

Ein junger Kollege hat mir folgende Anekdote geschrieben. Das Beispiel zeigt grossartig, wie wir mit Fehlern in der Chirurgie umgehen sollten. Auch Chirurgen und Chirurginnen sind Menschen. Menschen machen Fehler!

Meine erste Komplikation (durch einen Operationsfehler – infolge unglücklicher/blöder, verketteten technischen Pannen), als Oberarzt noch ziemlich frisch zurück in Europa, war eine Verletzung eines Nerves, der die Muskeln der Stirne bewegt. Die meisten Frauen würden die verschwundenen Zornesfalten gar nicht vermissen, doch diese Patientin hatte als Folge so grosse Hängelider der Augen, dass sie die Stirn runzeln musste um etwas zu sehen. Seit der Biopsie musste sich die Patientin ein Pflaster auf die Stirn kleben um etwas sehen zu können. Sie gab für den Muskelausfall spontan der Arteriitis Temporalis Horton die Schuld  und nicht mir. Ich hatte meinen Chef bereits wegen der Haftpflicht  vorinformiert (die Komplikation der Lähmung war präoperativ mit der Patientin schriftlich festgehalten worden). Ich habe die Patientin während Monaten nachkontrolliert und sie komplett und offen über die Ursachen der Lähmung aufgeklärt im Sinne von „Ich bin schuld und nicht die Krankheit, dass sie nur mit Pflaster sehen können“.
Ich habe sie nach 3 Monaten an die Plastiker überwiesen und mich um die nötige ausserkantonale Kostengutsprache gekümmert. Die Patientin hat sich nur immer bei mir bedankt, ja einmal hat sie mich sogar getröstet – es gehe ihr ja wirklich gut seit der Horton behandelt sei und seit sie entdeckt habe, wie sie das Pflaster richtig hinkleben müsse ……

Prof. Dr. Urban Laffer

Präsident fmCh

NEIN zu Managed Care – am 17. Juni 2012!

Die Managed Care-Vorlage ist ein schlechtes Gesetz, weil sie falsche Anreize setzt und den Wettbewerb verzerrt.
Sie fördert die Bildung unseriöser Netzwerke und gefährdet damit die Qualität der medizinischen Versorgung in der Schweiz.
Mit dem Gesetz wird die freie Arztwahl künstlich verteuert. Es gibt aber weder einen medizinischen noch einen ökonomischen Grund, die Versicherten für die freie Wahl des Arztes zu bestrafen.

Die Managed Care-Vorlage ist eine Bevormundung des Bürgers und führt das Schweizer Gesundheitswesen in die falsche Richtung.
Die medizinische Versorgung der Zukunft soll sich vielmehr an die Bedürfnisse und am Nutzen der Patienten ausrichten. Dieses Ziel lässt sich mit der freien Arztwahl am besten erreichen.
Es gibt kein Standardmodell, das für alle Menschen gleich gut ist.
Der Staat sollte nicht ein Standardmodell durchsetzen, sondern die Vielfalt und den Wettbewerb der Versorgungs- und Versicherungsmodelle garantieren.
Wenn sich Managed Care als Standardmodell durchsetzt, wird der Wettbewerb zum Erliegen kommen und aus der Budgetmitverantwortung wird ein Globalbudget entstehen.
Die Rationierung von medizinischen Leistungen wird die logische Konsequenz daraus sein.

Wollen wir das? – NEIN am 17. Juni!

Prof. Dr. Urban Laffer

Präsident fmCh